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LEE: Wichtigste Anliegen - Wasserkraft

Die kleine Wasserkraft hat eine jahrhundertealte Tradition. Sie mahlte Getreide, produzierte Papier, schliff Steine und trieb Hammerschmieden an. Heute liefert die Wasserkraft in Bayern rund 12 Milliarden kWh im Jahr und deckt damit etwa 15 % des Stromverbrauchs bzw. erzeugt 30 % der Erneuerbaren Energien in Bayern. Die sogenannte kleine Wasserkraft trägt dabei rund 1 Milliarde kWh bei, was in etwa dem gesamten Haushaltsstromverbrauch des Regierungsbezirks Oberfranken entspricht.

Mit Abschaltung der großen konventionellen Kraftwerke steigt die Anforderung an die Stabilität der Netze als grundlegende Voraussetzung der Versorgungssicherheit. Die Wasserkraft ist hierbei ein besonderer Schatz für Bayern: Sie stellt vielfältige Netzdienstleistungen wie Momentanreserve, schnelle und flexible Regelenergie sowie Blindleistung etc. bereit und trägt damit zum Ausgleich der schwankenden Einspeisungen von Wind- und Solarenergie sowie zur Integration dieser Anlagen in ein stabiles, sicheres und kostengünstiges Versorgungssystem bei. 4.000 regional verteilte Wasserkraftanlagen in Bayern sind somit ein flächendeckender Stabilitätsfaktor. Durch die dezentrale Erzeugung allein aller bestehenden kleinen Wasserkraftwerke in den kostenintensiven Nieder- und Mittelspannungsnetzen werden gemäß Gutachten in Deutschland Netzausbaukosten und Übertragungsverluste in Höhe von mehr als 1 Mrd. € vermieden. In Verbindung mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung der Versorgungsnetze besitzt die Wasserkraft des Weiteren ein hohes Innovations- und Transformationspotenzial.

Zum Hochwassersschutz, zur Grundwasserstabilisierung wie auch zur Sicherung von Brücken etc. wurden in Bayern rund 57.000 Querbauwerke (künstliche Dämme, Wehre, Schwellen) errichtet. An 4.000 (7 Prozent) dieser Querbauwerke wird auch Strom erzeugt und leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Rund 53.000 Querbauwerke unterhält der Staat ohne klimaschonende Gegenleistung für den Gewässereingriff. Dabei wäre es hier machbar durch ‚Win-Win‘ mit der Wasserkraft klimaschonende Energie zu erzeugen und die Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen wieder herzustellen. So  wäre es möglich eine Versöhnung zwischen Klimaschutz und Naturschutz zu erreichen.

Abschlussbericht

Studie der RWTH Aachen untermauert Bedeutung von Wasserkraftanlagen für künftige Versorgungssicherheit ++ Wasserkraftwerke tragen auch nach Rückbau der Kern- und Kohlekraftwerke mit ihren Schwungmassen zur Netzstabilisierung bei ++ Lehrstuhl von Professor Albert Moser quantifiziert Momentanreserve 

Wenn im kommenden Jahr die letzten Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen, fällt damit dem Stromversorgungssystem auch Momentanreserve weg. Diese Systemdienstleistung sichert – neben der Regelleistung - die Stabilität der Netze im Falle von Störungen. Wie eine Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen nun ergeben hat, können die Wasserkraftwerke in Deutschland eine Störung, zum Beispiel durch einen ungeplanten Kraftwerksausfall von bis zu 500 Megawatt (MW), hinsichtlich der Momentanreserve ausgleichen. Das entspricht der Leistung eines mittelgroßen Kohlekraftwerkes. Damit leisten sie einen relevanten Beitrag zur künftigen Netzstabilität und Versorgungssicherheit. 

Als Momentanreserve wird die unverzögert verfügbare Leistungsreserve in einem Energieübertragungssystem bezeichnet. Sie entsteht aus der Trägheit der rotierenden Schwungmassen der Synchrongeneratoren konventioneller Kraftwerke. Kommt es in einem Stromnetz zu einem abrupten Lastwechsel, kann das Leistungsdefizit nicht unmittelbar durch Regelkraftwerksleistung ausgeglichen werden. Denn diese ist immer mit einer gewissen Verzögerungszeit verbunden. Daher muss, um Instabilitäten und Unterbrechungen zu verhindern, unmittelbar nach dem Störungsfall genügend kinetische Energie aus rotierenden Schwungmassen von Kraftwerken im Versorgungssystem vorhanden sein. 

Wasserkraftanlagen als Ausgleich zu volatilen Energieerzeugern 

Nach dem Aspekt der Erzeugungsmengen gelten Windenergie- und Photovoltaikanlagen als Hauptsäulen der künftigen regenerativen Energieproduktion. Diese üblicherweise leistungselektronisch angebundenen Anlagen liefern jedoch nach derzeitigem Stand der Technik noch keine Momentanreserve. Wasserkraftwerke hingegen sind dazu in der Lage.

Ein Team von Professor Albert Moser, Lehrstuhlinhaber Übertragungsnetze und Energiewirtschaft am Institut für elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft (IAEW) an der RWTH Aachen, hat nun die Momentanreserve der Wasserkraftanlagen in Deutschland ermittelt und quantifiziert. Die Berechnungen basieren auf 7.988 Wasserkraftanlagen mit insgesamt 6,28 Gigawatt Nettonennleistung, die im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur erfasst sind. Die Wissenschaftler ermittelten unter anderem die gespeicherte kinetische Energie der Wasserkraftanlagen, die sich aus der Trägheitskonstante und der Nennleistung der Generatoren bestimmen lässt. 

Den Berechnungen zufolge ist eine kinetische Energie von rund 10,32 Gigawattsekunden (GWs) in den rotierenden Massen der Wasserkraftanlagen in Deutschland gespeichert. Zum Vergleich: Das Braunkohlekraftwerk Weisweiler Block H weist eine kinetische Energie von 2,4 GWs auf, das Kernkraftwerk Isar/Ohu 2 kommt auf 8,88 GWs. Die bereitgestellte kinetische Energie der Wasserkraftanlagen entspricht damit der Momentanreserve eines Kernkraftwerkes.

Die Studie wurde federführend von Martin Knechtges und Stefanie Samaan geleitet. Sie zeigt weiterhin, dass ein Störereignis von 462,5 MW unter Berücksichtigung der Frequenzabhängigkeit der Netzlasten allein durch die Wasserkraftanlagen hinsichtlich der Momentanreserve aufgefangen werden könnte. Ihre vorgehaltene Momentanreserve reicht aus, um die daraus resultierende Frequenzänderungsrate und –abweichung ausreichend zu begrenzen. „Die deutschen Wasserkraftwerke tragen in dieser Höhe auch zur Beherrschung von größeren Leistungsdefiziten, zum Beispiel Netzauftrennungen, bei. Weitere Beiträge zur Beherrschung müssen dann aus anderen Anlagen noch bereitgestellt werden.“, fasst Martin Knechtges, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IAEW, zusammen. 

Kleine dezentrale Wasserkraftanlagen stabilisieren bayerische Stromnetze 

Darüber hinaus weisen die Forscher insbesondere für Bayern darauf hin, dass in Bezug auf zukünftige Netzstrukturen und die autarke Versorgung kleiner zellularer Netze die dezentral vorhandenen Wasserkraftwerke zu einem stabilen Netzbetrieb beitragen können.

„Die Studie zeigt einmal mehr, dass Wasserkraftanlagen gerade vor dem Hintergrund der Abschaltung der Kernkraftwerke 2022 und anschließend der Kohlekraftwerke wichtige Systemdienstleistungen zur Netzstabilisierung erfüllen. Neben der Momentanreserve ist diesbezüglich beispielsweise auch die Schwarzstartfähigkeit zu nennen“, kommentiert Fritz Schweiger, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V. Das heißt, nach einem großflächigen Stromausfall ist die Wasserkraft technisch in der Lage, den Wiederaufbau der Stromversorgung zu unterstützen. 

„Die Studie zeigt aber auch auf, dass die bestehende Wasserkraft alleine nicht die notwendige Momentanreserve im Stromversorgungssystem bereitstellen kann. Mit dem Ausbau der Stromerzeugung aus Wasserkraft hätte man schon heute einen effizienten Lösungsbaustein dafür. Allerdings müssen auch die anderen erneuerbaren Energieträger künftig ihren Beitrag leisten. Jetzt sind die Ingenieure gefragt, wie dies mit moderner Leistungselektronik sichergestellt werden kann“, stellt Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) e.V., fest. 

Die Studie „Ermittlung der Momentanreserve von Wasserkraftanlagen in Deutschland“ am Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen wurde im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke (BDW) e.V., der Initiative „Wasserkraft Ja bitte!“ im Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) e.V. sowie der Interessengemeinschaft Wassernutzung NRW durchgeführt. 

Die Studie finden Sie in nachfolgendem PDF

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Wasser als wichtiger Energielieferant - Ein Kommentar von Reinhard W. Moosdorf

In den 80er Jahren fingen in der alten BRD grün bewegte junge Menschen an, sich wirklich für erneuerbare Energien einzusetzen. Und da stand besonders im Süden Wasserkraft ganz oben. Weil sie im Mix der regenerativen Energien ein wichtiges Gegengewicht zu den ebenfalls dringend notwendigen Windgeneratoren und Solarkollektoren bildete. Zusammen wollten sie gegen die Atomkraft Zeichen setzen, dass es auch anders ging. Sie haben sich an alten Standorten festgesetzt und dort Anlagen wiederaufgebaut. Das waren die Leute, die nicht nur Flugblätter geschrieben haben und auf Demos waren, sondern die politischen Freiräume nutzten, um sich Ingenieurswissen anzueignen und dann auch wirklich etwas zu tun.

„Durchgängigkeit“ mit dieser deutschen Übersetzung hat man erfolgreich das „River-Continuity“ der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in eine bestimmte Linie gebracht. Der temporale Aspekt geht völlig verloren und alles Handeln wird nicht mehr aus der Quasi-Perspektive des Flusses, sondern aus der des Fisches oder des Kanuten gesehen. Und auch da nicht aus der Sicht aller Fische, sondern aus Sicht der angelbaren Wanderfischarten, die – und das kann kein Zufall sein – auch als „Leitfischarten“ gelten.
Flüsse benötigen Vielfalt und nicht in erster Linie „Durchgängigkeit“! 

Durchgängigkeit zu erhalten und wiederherzustellen macht sicher Sinn … an großen Flüssen. Nicht aber an den Oberläufen und Bächen. Hat denn niemand von diesen ganzen Ämter-Biologen im dritten Bio-Semester aufgepasst, als es um Kleinteiligkeit der Habitate als Bedingung für Artenvielfalt ging? Ist „Allopatrische Artenbildung“ wirklich völlig unter dem Radar geblieben?

Wir leben in Deutschland in einer Kulturlandschaft. Es ist schlichtweg Selbstbetrug, wenn wir so tun, als ob wir eine urtümliche Landschaft wiederherstellen können. Wer sich das einredet, der will vor allem eines: Gärtnern und zwar im großen Stil. „Saubere, stabile Verhältnisse, wie Ingenieure das gerne mögen“ (Zitat aus der taz). Eine Welt erschaffen, wie man sie sich vorstellt. Die aber eben auch an den Grenzen des eigenen Wissens dann endet. Und dieses eigene Wissen ist bei dieser Art Homo Faber leider oft nicht sehr ausgeprägt.
Wasserkraftnutzung und die diesbezüglichen Wehre gehören zu dieser alten gewachsenen Kulturlandschaft. Jahrhundertelang haben hier Menschen und Fische leben können und zwar auch Fische in Artenvielfalt und Populationsstärke.

Fast zeitgleich gingen dann Wasserkraftnutzung, Artenvielfalt und Populationsdichte seit dem ersten Drittel des 20. Jh. - stellenweise schon früher – massiv zurück.
Angesichts dieser zumindest Korrelation, wenn nicht gar Teil-Kausalität, sollte man die These, dass die Kleine Wasserkraft, die es seit Jahrhunderten gibt – und die in den letzten 150 Jahren auf ca. 1/9 geschrumpft ist – am Fischsterben Schuld sei, doch vielleicht etwas sorgfältiger prüfen.

Unsere Flüsse sind so quecksilberverseucht, dass Schwangeren dringend abgeraten wird, hier geangelten Fisch zu essen (weil Quecksilber die Mutter-Kind-Schranke überwindet). Die Lebewesen dort verenden wegen der Folgen des Reifenabriebs und von Bromierten Diphenylethern. Von polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, von Tributylzinn und von Nitrat. Und das Einzige, was derzeit einigen Umweltverbänden einfällt, ist: Aus allen Rohren auf die Kleine Wasserkraft zu schießen, die ihrerseits das derzeitige Umweltproblem Nummer 1, die Klimaerwärmung, lindern hilft.

Reinhard W. Moosdorf: Rettungsring statt Autoreifen

Das Ringen der Wasserkraft gegen einen Berg von Auflagen, Gutachten-Verpflichtungen und bürokratischen Hindernissen beruht auf einer Kampagne, die sich – oft zu Unrecht – auf die Europäische Wasserrahmenrichtlinie beruft. Grundaussage dieser Kampagne: Die Wasserkraft ist schuld am Zusammenbruch der Fischpopulationen.

Wir wissen bislang nicht, welche Interessen hinter dieser, seit ca. 10 Jahren massiv aufgebauten Kampagne stehen. Merkwürdig: Während wir vor Ort zumeist ein gutes Auskommen mit den Fischereiberechtigten haben, positionieren sich die Anglerverbände meinungsstark und faktenarm gegen die Wasserkraft. Im Besonderen ist da die Kleine Wasserkraft im Visier – wahrscheinlich, weil es leichter ist, Kleinunternehmen in den Ruin zu treiben, als sich mit den Großen anzulegen. Wir sind deshalb den „Großen“ sehr dankbar, dass sie es als Ehrensache betrachten, hier auch die Kleine Wasserkraft zu unterstützen.

Auch viele Umweltverbände haben sich in diese Kampagne eingereiht, wie es erst jüngst der WWF vorexerzierte. Dabei wird das Haupt-Umwelt-Problem, die Klimaerwärmung, hintangestellt. Unser Mitglied Norbert Hedler hat das neulich so formuliert: Es komme ihm vor, als ob gerade die Titanic sinkt, und jemand versucht währenddessen an Bord, die gesprungenen Scheiben eines Zier-Aquariums zu kitten. Wenn wir was gegen den Umweltverschleiß tun wollen, sollten wir als Erstes unseren Energieverbrauch nachhaltig ausrichten. Und da ist die Wasserkraft einer der wenigen Rettungsringe.

Selbst wenn wir von der Klimaerwärmung absehen, werden die deutschen Fließgewässer von ganz anderen Faktoren gestresst. Allen voran stand da die Quecksilberbelastung, die derart katastrophal ist, dass z.B. das Niedersächsische Umweltministerium vor dem Verzehr von mehr als 300g geangeltem Fisch pro Monat warnt. Schwangere sollten gar keinen Fisch mehr essen. Weil das aber ein Politikum ist, wird es nicht an die große Glocke gehängt. Nur wer gezielt sucht, findet solche Verlautbarungen. Offiziell rechnet man gern alle wirklich giftigen Stoffe als „ubiquitär“ heraus und kommt dann auf chemisch gute Werte.

Das Problem: Bei der EU verfängt diese Strategie nicht. Sie hält Deutschland weiterhin vor, dass sämtliche hiesigen Gewässer den guten Status wegen der katastrophalen chemischen Werte verfehlen. Dahinter steckt das „One-out-all-out“-Prinzip: Verfehlt das Gewässer den guten Status auch nur in einem einzigen Kriterium, fliegt es insgesamt aus dem Prädikat „gut“ raus.

Viele deutsche Wasser-Ämter (in Bayern die WWA's) und die ihnen personell gelegentlich verquickten Umweltverbände verfolgen deshalb eine Doppelstrategie: Einerseits unternimmt man alle Anstrengungen, damit das „One-out-all-out“-Prinzip in der EU kippt. Andererseits legt man den Fokus des Handelns allein auf die Hydromorphologie. Das heißt dann: Man räumt ein paar so genannte Querbauwerke beiseite und hübscht den Fluss auch sonst ein wenig auf: Hier ein paar Steine rein, dort ein paar unbewirtschaftete Uferstreifen – und schon kann man Erfolge vorweisen: Seht: Wir haben unsere Chemiebrühe in Gewässer mit sehr gutem hydromorphologischen Zustand gebracht. Dabei ist „Durchgängigkeit“ zu einem Schlüsselwort geworden – und die Wasserkraft leidet darunter.

Außer ein paar Chemikern fragt dann niemand mehr nach Dingen wie C2G6Hg, C8HF17O3S oder auch einfach nur nach Quecksilber. Ich habe beim EU-Water-Forum in Wien 2018 erlebt, wie sich unter anderem gerade der WWF deshalb für das Kippen des „One-out-all-out“-Prinzips stark gemacht hat. Leider haben sich solche Kräfte auch im Bayerischen Umweltministerium eingenistet. Die Folge: Es wird schon in der Forschung einseitig nur in Richtung Wasserkraft als Ursache für Fischsterben Geld ausgegeben. So wurde auch der renommierte Prof. Geist vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der TU München mit einem Gutachten beauftragt. Untersucht wurde daraufhin, inwiefern auch neue Turbinen-Technologien Fisch-Schäden verursachen. Nach 5 Jahren liegt nun ein 12-bändiger Abschlussbericht vor. Voraussehbares Ergebnis: Ja, auch moderne Turbinentechnologie verursacht Schäden an Fischen.

Dass alle herkömmlichen Turbinen auch im ungünstigsten Fall nicht einmal halb so viele Fische töten wie der Angelsport, bleibt im Report auftragsgemäß unerwähnt.

Unerwähnt bleibt auch: Angelsport, Wasserkraftnutzung und sogar noch die durch Landwirtschaft verursachte Sedimentation sind in Hinsicht der Mortalität bei Fischen Peanuts gegen die chemische Gewässerbelastung.

Wäre Forschung wirklich noch frei, würde man vielleicht auch hierzulande zu Ergebnissen gelangen, wie sie in der Ausgabe der „Science“ vom 04.12.2020 veröffentlicht wurden: Dort hat man ergebnisoffen jahrelang das merkwürdige Lachssterben untersucht und war dann auf eine Ursache gestoßen, die bislang niemand auf dem Schirm hatte: Reifenabrieb.

In unseren Stellungnahmen zu den Bewirtschaftungszielen der Gewässer hatten wir zwar den Reifenabrieb auch auf Platz 2 der Hitliste der größten Übeltäter gestellt. Aber da hatten wir nur die durch ihn verursachte Kolmation und seine mikro-plastischen Eigenschaften im Auge. Die Autorengruppe um Zhenyu Tian klärt nun in der „Science auf: In den Reifen aller Hersteller befindet sich N-(1,3dimethylbutyl)-N'-phenyl-phenylenediamine, kurz 6PPD, als Antioxidationsmittel. An und für sich ist das Gefährlichste an diesem Stoff, dass man sich beim Aussprechen die Zunge verknotet. Dummerweise reagiert 6PPD aber als Abrieb mit dem im Straßenverkehr immer vorkommenden Ozon zu 6PPD-quinone und ist hochtoxisch. 0,3µg/L davon waren eigentlich schon überall in den gemessenen Gewässern. Ab 0,8µg/L tötet es die Hälfte der untersuchten Salmonitenpopulation. Das entspricht der Menge, die bei 13.000 gefahrenen PKW-Kilometern anfällt. Ab 2µg/L überlebten jeweils nur noch wenige Exemplare: Ungefähr so viel, wie in 80 Grad heißem Wasser, wenn darüber noch ein bisschen Luft zum Atmen bleibt. Diesen Vergleich haben die Verfasser um Zhenyu Tian tatsächlich in einer Kontrollstudie gezogen. Wer Fische auch in ungesottenem Zustand mag, und etwas für diese Lebewesen tun will, wird nicht umhinkommen, an diesem Rad zu drehen. Alle anderen müssen sich vorwerfen lassen, dass sie Mücken seihen und Elefanten schlucken.

Hermann Steinmaßl: Energiewende mit der Wasserkraft meistern Klimaschutz im Einklang mit der Natur und der Energie der Heimat

Der Dreiklang von Klimaschutz, Ökologie und Energie ist und kann in Einklang gebracht werden. Die bewährte, heimische, klimafreundliche und stabile Wasserkraft spielt dabei eine wesentliche Rolle. Dabei überzeugt auch die kleine Wasserkraft mit wesentlichen Leistungen, die im öffentlichen Interesse stehen und dem Klimaschutz dienen.

Klimawandel eindämmen – jede erneuerbare Kilowattstunde zählt

Das Ziel den durchschnittlichen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad einzudämmen und den weltweiten CO2-Ausstoß erheblich zu reduzieren ist zu unterstützen.

Dabei zählt auch jede erzeugte klimafreundliche Kilowattstunde aus unserer Heimat.

Ethische Verantwortung für den Klimawandel

Im Hinblick auf eine Verantwortung für die „Gemeinschaftsleistung Energiewende“ gemäß dem Ethikrat hat jede Region die Pflicht ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.

Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie, der Kohle und letztlich aus allen fossilen Energien, ist es auch eine Frage der Ethik mit den Möglichkeiten der Heimat den Beitrag für die Energiewende zu leisten. Für das Wasserland Bayern heißt das unter anderem besonders die Nutzung der Wasserkraft. Bayern ist ein Sonnenland und ein Wasserland.

Ehrlichkeit 

Wir brauchen aber auch die Ehrlichkeit, dass die erneuerbaren Energien die Natur beanspruchen, die Landschaft verändern und die Menschen beeinträchtigen.

Erneuerbare bekommen immer mehr Bedeutung

Aktuell kommen etwa 50 % des Stroms in Bayern von erneuerbaren Energien. Weitere 30 % von der Kernenergie und 20 % von Gas und Steinkohle. Bei den Erneuerbaren hat die Wasserkraft einen Anteil von knapp 29 %, Biomasse 23 %, Photovoltaik 32 % und die Windenergie 12 %. Mit steigendem Anteil an erneuerbaren Strom (besonders aus Wind und Sonne) bekommt die gesicherte Stromversorgung eine immer größere Bedeutung. Die gesicherte Leistung erbringen Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.

Bayern ist die Heimat der Wasserkraft

Die Wasserkraft ist seit über 100 Jahren die bedeutendste grundlastfähige Energie in Bayern. Von ursprünglich 11.900 Anlagen fielen 7.700 Anlagen in den Jahren nach dem 2.Weltkrieg der vermeintlich günstigen Energie aus Öl, Kohle und Kernenergie zum Opfer. Im Hinblick auf den jetzigen Ausstieg aus Öl, Kohle und Kernenergie ist die Wasserkraft auf jeden Fall zu erhalten, bzw. sie sogar wieder auszubauen, für einen regional gestalteten Klimaschutz und eine gesicherte Stromversorgung.

Netzstabilität und -flexibilität mit Wasserkraft und Speicher

Bayern ist bereits jetzt und wird noch mehr ein großes „wetter- und tag/nacht- abhängiges Flächenkraftwerk“. Der Strom ist dabei nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Für diesen Ausgleich braucht es Wasserkraftanlagen und Speicherwasserkraftwerke. Sie können Netzschwankungen ausgleichen und tragen zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit bei.

Mit Ökoausgleichsmaßnahmen gemeinsam Lösungen schaffen

Bayern hat 100.000 km Flüsse und rund 4.200 Wasserkraftwerke. Im Durchschnitt besteht also alle 25 Kilometer ein Wasserkraftwerk. Viele davon sind bereits heute ganz oder teilweise fischpassierbar. Diesen ökologischen Mangel könnte man lösen, wenn man Förderung durch den Freistaat und gemeinsam mit den Kommunen Ökoausgleichsflächen (Ökokonto) entwickeln würde, um die Uferbereiche zu erweitern und damit Raum für fischfreundliche, ökologische Passierstrecken, sowie zusätzliche Laichplätze etc. schaffen könnte. Damit könnte man noch bessere Effekte erzielen als beim geplanten Umbau der über 50.000 anderweitigen Querbauwerke; die man mit viel Geld mit rauen Rampen versehen will, ohne dabei die Chance auf Energiegewinnung zu nutzen. Diese bestehenden Querbauwerke sind einst aus guten Gründen errichtet worden. Tragen sie doch z.B. zur Grundwassersicherung und zum Hochwasserschutz bei. Dieses gilt auch für die Wasserkraft.

Wasserkraft im Einklang mit der Natur

Es bestehen jetzt schon 50 Wasserkraftanlagen in Naturschutzgebieten und 100 in FFH-Gebieten und dies nicht trotz, sondern in einigen Fällen wegen der Wasserkraft. Deshalb muss man auch bei den Mindestwassermengen eine Abwägung zwischen Verlusten von klimafreundlichen Energien und „tatsächlichen ökologischen Gewinnen“ treffen, die durch eine Verlagerung der Wassermengen entstehen. Es gibt immer Lösungen, die sowohl als auch der Natur und der klimafreundlichen Energiegewinnung dienen.

Beanspruchung unserer Gewässer ist vielfältig

Unsere Städte entstanden in der Regel an Flüssen und Küsten. Die Verschmutzung und schädlichen Einträge unserer Flüsse kommen vorwiegend von außerhalb der Flüsse, von Einträgen durch Siedlungen und durch die Bewirtschaftung des Landes. Ein Großteil von Wohlstandsmüll (z.B. Kunststoffabfälle) wird von den Wasserkraftbetreibern entnommen. Dieser würde ansonsten weiter flussabwärts getrieben und die Gewässer bis ins Meer belasten. Nach einer Studie entfernen 3.300 Anlagen im deutschen Donauraum 290.000 kg Plastikmüll je Jahr- fast 90 kg je Anlage.

Wasserkraft fördert die regionalen Wertschöpfungskreisläufe

Sie sichert die Wettbewerbsfähigkeit von Mühlen, Sägewerken und regionaler Landwirtschaft. So werden u.a. 150 Getreidemühlen betrieben, die mit 1,25 Mio. to / Jahr ganz Bayern mit Mehl aus regional erzeugtem Getreide versorgen können.

Der Klimawandel belastet die Gewässer generell

Deshalb ist eine klimafreundliche Energieversorgung besonders wichtig. Wasserkraft ist vor allem auch eine nachhaltige, klima- und ressourcenschonende Energie. Ein Wasserkraftwerk mit 100 kW installierter Leistung ersetzt in 20 Jahren 10.000 t CO2 und 60.000 t Gesamtabbau beim Braunkohletagebau. Es versorgt über 100 Familien dauerhaft mit Strom und schont wertvolle Ressourcen. Wasserkraftbetreiber sind Klimaschutzunternehmer.

Die Energiewende ist eine Wende zu dezentralen Erzeugungseinheiten

Sie sollte auch regional organsiert werden. Bei regionaler Betrachtung wird die einzelne, auch kleine Wasserkraft wesentlich mehr Gewicht bekommen als mit Vergleichen zur allgemeinen Stromerzeugung, bei der auch noch die Kernkraft und die Kohle enthalten sind.

Der Dreiklang Klimaschutz, Ökologie und Energie gelingt – mit der Wasserkraft

Alle genannten Gesichtspunkte sprechen für die Wasserkraft, vor allem auch für die sogenannte „Kleine“ mit ihren vielen positiven Eigenschaften. Mit weiteren Rückbauforderungen und Stilllegungen von Wasserkraftanlagen werden weder die Probleme unserer Flüsse gelöst noch ist dem Klimaschutz geholfen.

Der Klimaschutz mit erneuerbarer, heimischer, grundlastsicherer Energie ist deshalb im Rahmen von Genehmigungen zu berücksichtigen und entsprechend in den Abwägungen zu erfassen.

Hans Gfaller: Videotrailer zur Wasserkraft online

Wasserkraft ist eine lebendige Energie - sauber und nachhaltig. Ein Film auf Youtube zeigt die Energieerzeugung aus Wasserkraft in Traunstein. Mit der Errichtung des Hochwasserschutzes Traunstein-Süd wurde der Ausbau der Wasserkraft am Haslacher Mühlbach möglich. Neben dem Schutz gegen Hochwasser wird auch der Vorteil der heimischen Energieerzeugung und die mit der Maßnahme verbundenen ökologischen Verbesserungen anschaulich dargestellt. Eine Darstellung einer echten Win-Win-Situation.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Müllermeister Hans Gfaller der den Film für die Wasserkraftgemeinschaft spendiert hat und sagen herzlich „Vergelt´s Gott“

Der Film in Länge von 4 Minuten kann hier angesehen und auch für Ihre eigenen Zwecke genutzt werden: https://www.youtube.com/watch?v=qO__peJVe-I

Fritz Schweiger: Fitness-Checks der WRRL unausgewogen – Interessen der Wasserkraft nicht berücksichtigt

Am 12. Dezember 2019 wurden die Ergebnisse des Fitness-Checks veröffentlicht. Bei der Bewertung des europäischen Wasserrechts kam die Kommission zu dem Schluss, dass „die bestehende EU-WRRL weitgehend zweckmäßig ist und nur die Umsetzung noch beschleunigt werden muss“.

Speziell im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung ist dieses Ergebnis aus unserer Sicht unausgewogen und den aktuellen klima- und energiepolitischen Anforderungen entsprechend nicht mehr zeitgerecht. In der bestehenden, im Jahr 2000 verabschiedeten EU-WRRL, werden im Rahmen der Wasserkraftnutzung die hohen Anforderungen eines wirksamen Klimaschutzes und einer erfolgreichen Energiewende nicht ausreichend berücksichtigt. Entsprechend stimmt das Ergebnis der Evaluierung der EU-WRRL nicht mit den Zielen des „Green Deals“ wie auch der „Better Regulation“- Initiative überein.

A) Hinsichtlich einer Anpassung der bestehenden EU-WRRL an die neuen Herausforderungen besteht im Bereich der Wasserkraftnutzung aus folgenden Gründen dringender Handlungsbedarf:

1.         Als die WRRL vor 20 Jahren verabschiedet wurde, hatten die den hohen Anforderungen des  „Green Deals“ entsprechenden Aspekte Klimaschutz und Energiewende noch nicht die hohe Priorität, die ihnen heute zugeordnet wird. Die bestehende Richtlinie berücksichtigt den Klimaschutz- und Energiewende-aspekte zu wenig und wird damit den hohen Anforderungen des „Green Deals“ für eine effektive Umgestaltung des gegenwärtigen, vorwiegend noch auf fossile Energieträger ausgerichteten Energiesystems nicht gerecht.

2.         Aus der Hervorhebung des Art. 194 „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEUV) in dem EuGH-Urteil vom 04.05.2016 (C-346/14) kann man den Schluss ziehen, dass die Energieziele des AEUV ebensolchen Primärrechtscharakter und ebensolches Gewicht haben wie die Integritätsziele der Umweltpolitik der EU.

3.         Die bestehenden WRRL-Vorgaben haben aufgrund der stark veränderten Rahmenbedingungen bei der praktischen Umsetzung auf nationaler und regionaler Ebene bei den Unternehmen wie auch in den Behörden zu erheblichen Irritationen, Verunsicherungen sowie der Gefahr von Fehlinterpretationen geführt, wie zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen.

4.         Dementsprechend wird das Ergebnis der Evaluierung der EU-WRRL im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung ebenso wenig dem Sinn und Zweck von "Better Regulation" gerecht.  Im Spannungsfeld zwischen Gewässer-schutz und Klimaschutz / Energiewende sind neben den großen Wasserkraftwerken speziell auch die mittelständisch strukturierten, kleineren Wasserkraftunternehmen (KMU) umfangreichen und hochkomplizierten gesetzlichen Regelungen unterstellt. Hierbei handelt es sich um ein auf der EU-Ebene sowie in den verschiedenen Rechtsebenen der Nationalstaaten geregeltes Ordnungssystem, das sich zu einem unüberschaubaren Regelwerk von Bürokratismus entwickelt hat.

5.         Die Rahmenbedingungen sind von Inkohärenzen bzw. Zielkonflikten geprägt, für deren effektive Lösung erst geeignete Instrumente zu entwickeln sind. Bestehende gesetzliche Regelungen können in dieser schnelllebigen Zeit dem hohen faktischen Anpassungsdruck oftmals nicht standhalten, wie am Beispiel der Wasserkraftnutzung im Zusammenhang mit der EU-WRRL aus dem Jahr 2000 und der speziell aus den rasant steigenden Anforderungen des Klimawandels und der Energiewende zu erkennen ist. Die Problematik ist noch vor dem Hintergrund zu sehen, dass entlang der Interpretationskette EU > Nationalstaat > Regionen häufig Unstimmigkeiten auftreten, die bei der Umsetzung des bestehenden Rechtsrahmens zu einer weiteren Verstärkung von Intransparenz und Rechtsunsicherheit führen, auch was die Zuordnung von Verantwortlichkeiten anbelangt. Einschlägige Gespräche zwischen Wasserkraftwerksbetreibern und Vertretern der Landesbehörden werden nur selten bei den Gesetzgebungsebenen übergreifenden Rechtskomplexität gerecht. Vielmehr wird dann von Seiten der Behörden häufig ganz einfach das Argument ins Feld geführt, dass die "strikten" Vorgaben letztendlich aus Brüssel kämen und für entsprechende Interpretationen auf Landesebene leider kein Spielraum mehr vorhanden sei. Von Seiten der Unternehmen lässt sich diesem Standpunkt dann ad hoc wenig entgegensetzen und jedwede weitere Diskussion     löst sich letztendlich in einem unüberschaubaren Gemenge hochkomplexer Rechtsfragen auf.

6.         In der Vollzugspraxis werden als Konsequenz die Wasserkraftunternehmen mit äußerst zeitaufwendigen und kostenintensiven Genehmigungsverfahren konfrontiert. In der Regel sind die Konflikte mit hohen Gutachterkosten und Gerichtsprozessrisiken verbunden. Damit wird die Situation den enormen Effizienzanforderungen eines wirksamen Klimaschutzes und einer erfolgreichen Energiewende nicht gerecht.

7.         Am Ende steht Brüssel zumeist in der Rolle des Sündenbocks da.

B)        Umsetzungspraxis in Deutschland:

Die Wasserkraft lieferte im Jahr 2018 knapp 15 % der Bruttostromerzeugung in Bayern. Aber nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen topografisch günstig gelegenen Regionen der EU stellt die Wasserkraft eine nach Umfang und Versorgungsqualität hervorragende erneuerbare Quelle elektrischer Energie dar, die es gemäß den Zielen des Art. 194 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) zu erhalten, zu entwickeln und auszubauen gilt.

Die Bundesrepublik Deutschland hat die EU-WRRL im Wasserhaushaltsgesetz (WHG), in der Oberflächengewässer-Verordnung (OGewV) und in den Wassergesetzen der Bundesländer umgesetzt. In der Praxis wird dieses Umsetzungsrecht – unter stetiger Berufung auf die EU-WRRL – derart angewandt, dass Fortführung und Ausbau bestehender Wasserkraftwerke sowie die Errichtung neuer Anlagen sehr erschwert werden. Schon in der jetzt laufenden 2. Bewirtschaftungsperiode der EU-WRRL (2016-2021) haben die Wasserwirtschafts-verwaltungen Bewirtschaftungspläne, Maßnahmenprogramme, Gewässer-entwicklungs- und andere Konzepte ausgearbeitet, welche die Entwicklung der Wasserkraft massiv behindern. Nach dem Ergebnis der Eignungsprüfung der EU-WRRL ist für die letzte planmäßige Bewirtschaftungsperiode (2022-2027) noch Schlimmeres zu befürchten. In der Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen SWD (2019) 440, final vom 10.12.2019 (Seite 4), erklärt die Kommission: „Die nächste Runde von Maßnahmenprogrammen wird maßgeblich sein, um den erforderlichen Fortschritt zur Erreichung der Umweltziele bis 2027 sicherzustellen“. Es kann als sicher angenommen werden, dass die Wasserwirtschaftsverwaltungen dieses Ergebnis der Eignungsprüfung der EU-WRRL als Auftrag begreifen, für die 3. Bewirtschaftungs-periode Maßnahmenprogramme zu erlassen, die eine ausgewogene, den Klimaschutz- und Energieanforderungen angemessen berücksichtigenden, Weiterentwicklung der Wasserkraft nach Kräften behindern. Den hohen Anforderungen eines wirksamen Klimaschutzes und einer erfolgreichen Energiewende wird dabei in keiner Weise ausreichend Rechnung getragen. Für die Energieziele der EU im Bereich der Wasserkraft besteht damit höchster Anlass zur Sorge.

Bleibt es bei dem Ergebnis der WRRL-Eignungsprüfung und wird diese Richtlinie in Bezug auf die Wasserkraftnutzung nicht entsprechend novelliert, ist zu befürchten, dass der wertvolle Beitrag für den Klimaschutz und die Energiewende dieser zuverlässigen, klima- und ressourcenschonenden Energiequelle in den kommenden Jahren verstärkt zurückgehen wird.

Hans Gfaller: Fakten-Check der Wasserkraftanlage der Gfaller-Mehl Kunstmühle Haslach

Die Wasserkraft hat für uns als aktiver Mühlenbetrieb starke Vorzüge. Die Wasserkraft stützt die gesamte regionale Wertschöpfungskette von Mehl – angefangen beim Landwirt über die Mühle bis hin zum Verbraucher - und sorgt in Krisenzeiten, so wie wir sie derzeit erleben, für eine sichere Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln. Die Vorzüge der Wasserkraft für die Kunstmühle Haslach sind im Einzelnen:

  1. Symbiose: Eigen-Energie-Erzeugung für das eigene Gewerk, hier Mühle. Netz-Entlastung: weil Kurze Leitungs-Wege durch vor-Ort-Erzeugung.
  2. Wettbewerbsfähigkeit: Die Eigenerzeugung ist ein gewisser Ausgleich dafür, dass Großmühlen nur einen kleinen Bruchteil der EEG-Umlage zu bezahlen brauchen.
  3. Einspeisung: Niederspannungsseitig über die naheliegende Trafostation der Stadtwerke Traunstein. Keine Belastung von Hochspannungs- und Übertragungsnetzen.
  4. Das leistet der sauber gewonnene Strom aus Wasserkraft in der Mühle:
  • a) 1 KWh Strom mahlt 13 kg Getreide und erzeugt 10 kg Mehl
  • b) 7 KWh Strom braucht man, um den Jahresverbrauch eines Deutschen von 70 kg Mehl zu decken.
  • c) Vermeidet Leistungsspitzen von bis zu 130 KW in Stillstandszeiten.

5. Das geschieht mit dem nicht selber verbrauchten Strom:

Einspeisung in das Netz der Stadtwerke Traunstein (nächster Unterlieger), zu  90 % regenerativ erzeugten Strom einsetzt und selbst 3 Wassertriebwerke betreibt, wogegen in Deutschland nur 25 % des Stroms aus regenerativen Quellen stammt.

6. Das bringt der zusammengeschlossene Haslacher und Traunsteiner Mühlbach:

Bei 13,5 m Gesamt-Nutzgefälle und 10 cbm/sec. Wasser, das sich 7 Triebwerke teilen, 1000 KW Leistung und 4.500.000 KWh im Jahr, genug für 1500 Haushalte.

7. Das sind die Zusatz-Nutzen für die Öffentlichkeit:

  • Mehr Restwasser für die Fische gegenüber dem vorherigen Zustand (ökologische Verbesserung)
  • Die Fischerei kommt gut mit diesem Zustand zurecht, u.a. auch deshalb, weil das Ausleitungsgerinne gut strukturiert ist. Die Kontakte mit dem hiesigen Fischerei-Berechtigten sind hervorragend und konstruktiv.
  • Funktionierender Hochwasserschutz: In 2013 (347cbm/sec) keine Überflutung des Gewerbegebiets Traunstein Süd.
  • Abflussregelung: Hilfreich bei kleineren und mittleren Hochwassern durch ausreichend dimensionierte bewegliche Stauklappe am Ausleitungsbauwerk Seiboldsdorfer Wehr.
  • Ausreichend Wasser im Stauraum unseres Wehres und im Mühlbach auch für größere Fische.
  • MehrSicherheit durch  dezentrale Erzeugung, weil außer bei der Bachauskehr nie alle Kraftwerke gleichzeitig ausfallen.
  • Klimawandel + Trockenheit: Jede Menge Fische im Haslacher und Traunsteiner Mühlbach. Die fühlen sich im ruhigen, tiefen Stauwasser der Triebwerksanlagen wohl und sind sicher vor den Fischreihern. Auch die Vegetation im Uferbereich profitiert davon.

8. Restwasserszenario bei Erhöhung auf 1 MNQ (= 3,3 cbm/sec):

Mühle: stark verminderte Wettbewerbsfähigkeit wegen Mindererzeugung und Stromzukauf (hohe Leistungsspitzen), was zusammengenommen dem Jahreslohn eines Facharbeiters entspricht.

  • 48 Tage Stillstand: 100 % Stromzukauf aus überwiegend konventioneller Erzeugung und stehendes Wasser im Bach.
  • Minder-Erzeugung Gfaller  bei RW= 1,0 MNQ: 300.000 KWh p.a., d.h. -24%
  • Minder-Erzeugung Gfaller bei RW= 0,8 MNQ: 208.000 KWh p.a., d.h. -17%

 

 

 

 

Fritz Schweiger: Revision der EU-WRRL muss die Interessen einer klimaneutralen Energieerzeugung an unseren Gewässern berücksichtigen.

Die EU-Kommission hat ihre Ergebnisse der Bewertung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) (EU-WRRL) veröffentlicht. Die Evaluierung bzw. der Fitness-Check der EU-Wassergesetzgebung kommt bislang zu dem Schluss, dass diese weitgehend zweckmäßig ist, nur die Umsetzung noch beschleunigt werden muss.

Speziell im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung sehen wir dieses Ergebnis als zu einseitig und nicht sachgerecht an. Die im Jahr 2000 verabschiedete EU-WRRL wird im Bereich der Nutzung dieses klima- und ressourcenschonenden Energieträgers den hohen Anforderungen eines wirksamen Klimaschutzes sowie einer erfolgreichen Energiewende bzw. den Forderungen der aktuellen Vorgabe des „Green Deals“ nicht gerecht. Des Weiteren trägt der Fitness-Check dem Sinn und Zweck der „Better Regulation“-Initiative aus unserer Sicht nicht ausreichend Rechnung:

Fazit: Im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung besteht hinsichtlich einer Anpassung der vor 20 Jahren verabschiedeten EU-WRRL an die aktuellen Herausforderungen akuter Handlungsbedarf.

Die Wasserkraft lieferte im Jahr 2018 14,45% der Bruttostromerzeugung in Bayern (Bayerisches Landesamt für Statistik, Bruttostromerzeugung in Bayern, November 2019). Die Wasserkraft ist nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen topografisch günstig gelegenen Regionen der EU eine nach Umfang und Versorgungsqualität hervorragende erneuerbare Quelle elektrischer Energie, die es gemäß den Zielen des Art. 194 AEUV zu erhalten, zu entwickeln und auszubauen gilt.

Die Bundesrepublik Deutschland hat die EU-WRRL im Wasserhaushaltsgesetz (WHG), in der Oberflächengewässerverordnung (OGewV) und in den Wassergesetzen der Bundesländer umgesetzt. Dieses Umsetzungsrecht wird – unter stetiger Berufung auf die EU-WRRL – in der Praxis derart angewandt, dass Fortführung und Ausbau bestehender Wasserkraftwerke sowie die Errichtung neuer Anlagen massiv erschwert werden. Schon in der jetzt laufenden 2. Bewirtschaftungsperiode der WRRL (2016-2021) haben die Wasserwirtschaftsverwaltungen Bewirtschaftungspläne, Maßnahmenprogramme, Gewässerentwicklungs- und andere Konzepte ausgearbeitet, die die Entwicklung der Wasserkraft sehr behindern. Nach dem Ergebnis der Eignungsprüfung der WRRL ist für die letzte planmäßige Bewirtschaftungsperiode (2022-2027) eine noch striktere Umsetzung zu befürchten. In der Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen SWD (2019) 440 final vom 10.12.2019 (Seite 4) erklärt die Kommission: „Die nächste Runde von Maßnahmenprogrammen wird maßgeblich sein, um den erforderlichen Fortschritt zur Erreichung der Umweltziele bis 2027 sicherzustellen“. Es kann als sicher angenommen werden, dass die Wasserwirtschaftsverwaltungen dieses Ergebnis der Eignungsprüfung der EU-WRRL als Auftrag begreifen, für die 3. Bewirtschaftungsperiode Maßnahmenprogramme zu erlassen, die einen anforderungsgerechten Klimaschutz im Sinne einer Weiterentwicklung der Energiewende mit Strom aus Wasserkraft nach Kräften beschädigen.

Den hohen Anforderungen eines wirksamen Klimaschutzes und einer erfolgreichen Energiewende wird dabei in keinster Weise ausreichend Rechnung getragen. Für die Wasserkraftwerksbetreiber und für die Energieziele der EU besteht damit höchster Anlass zur Sorge. Bleibt es bei dem Ergebnis der WRRL-Eignungsprüfung und wird diese Richtline im Zusammenhang mit der Wasserkraftnutzung nicht novelliert, so ist zu erwarten, dass die zuverlässige, klima- und ressourcenschonende Stromerzeugung aus Wasserkraft in den kommenden Jahren verstärkt unter Druck geraten wird.

Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern hat sich daher an die europäische Politik gewandt und diese dringend gebeten, sich für eine den Notwendigkeiten des „Green Deals“ und den Energiezielen des Art. 194 AEUV entsprechende Novellierung der EU-WRRL einzusetzen. Wir forderten auch im Sinne einer effektiven Umsetzung von „Better Regulation“ eine umfassende sowie bei den Zielen für Klimaschutz und Energiewende eine ausreichende Berücksichtigung der Wasserkraft. Dazu haben wir Folgendes ausgeführt:

  1. Als die WRRL vor 20 Jahren verabschiedet wurde, hatten die den hohen Anforderungen des „Green Deal“ entsprechenden Aspekte für Klimaschutz und Energiewende noch nicht die hohe Priorität, die ihnen heute zugeordnet wird.
  2. Die bestehende Richtlinie berücksichtigt den Klimaschutz und die Energiewende zu wenig und wird den Anforderungen des „Green Deals“ für eine effektive Umgestaltung des gegenwärtigen, vorwiegend noch auf fossile Energieträger ausgerichteten Energiesystems, nicht gerecht.
  3. Die bestehende WRRL verursacht hohe Rechtsunsicherheiten und enorme Verwaltungsaufwendungen für die Behörden und Akteure. Die Verpflichtungen im Rahmen der WRRL haben zu erheblichen Unsicherheiten bei der Umsetzung auf nationaler wie regionaler Ebene geführt und bilden eine bedrohliche Gefahr zu Fehlinterpretationen. Diese sind in der Regel mit zeit- und kostenintensiven Genehmigungsverfahren, Gutachterkosten sowie Gerichtsprozessrisiken verbunden.
  4. Man kann aus der Hervorhebung des Art. 194 AEUV in dem EuGH-Urteil vom 04.05.2016 (C-346/14) den Schluss ziehen, dass die Energieziele des AEUV ebensolchen Primärrechtscharakter und ebensolches Gewicht haben wie die Integritätsziele der Umweltpolitik der EU (Dr. Martin Schröder, Seufert-Law, München).

Bereits in vorangegangenen Schreiben an die Kommission haben wir dargelegt, dass neben der großen auch die mittelständisch strukturierte, kleinere Wasserkraft im Spannungsfeld zwischen Gewässerschutz und Klimaschutz / Energiewende umfangreichen und äußerst komplizierten gesetzlichen Regelungen unterworfen ist:

  1. Die Wasserkraft unterliegt einem auf der EU- und verschiedenen nationalen Rechtsebenen geregelten Ordnungssystem, das sich zu einem hochkomplizierten Regelwerk und Bürokratismus entwickelt hat.
  2. Selbst den staatlichen Behörden gelingt die administrative Umsetzung der komplexen Vorgaben „nicht immer“ in der für einen wirksamen Klimaschutz und einer erfolgreichen Energiewende erforderlichen „Perfektion“, wie zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen.
  3. Des Weiteren unterliegt das bestehende Ordnungssystem Inkohärenzen bzw. Zielkonflikten, für deren effektive Lösung erst noch geeignete Instrumente zu entwickeln sind.
  4. Außerdem können bestehende gesetzliche Regelungen in dieser schnelllebigen Zeit dem hohen faktischen Anpassungsdruck oftmals nicht standhalten, wie speziell am Beispiel der Wasserkraftnutzung im Zusammenhang mit der EU-WRRL aus dem Jahr 2000 und den rasant ansteigenden Anforderungen des Klimawandels und der Energiewende zu erkennen ist.
  5. Die Problematik ist zudem vor dem Hintergrund zu sehen, dass entlang der Interpretationskette EU->Nationalstaat->Regionen häufig Unstimmigkeiten auftreten, die bei der Umsetzung des bestehenden Rechtsrahmens zu einer weiteren Verstärkung von Intransparenz und Verunsicherungen führen, auch was die Zuordnung von Verantwortlichkeiten anbelangt. Einschlägige Gespräche mit Vertretern der Landesbehörden werden nur selten der den Gesetzgebungsebenen übergreifenden Rechtskomplexität gerecht. Vielmehr wird dann von Seiten der Behörden häufig ganz einfach das Argument ins Feld geführt, dass die rechtlichen Vorgaben letztendlich aus Brüssel kämen und für entsprechende Interpretationen auf Landesebene kaum noch Spielraum vorhanden sei. Diesem Standpunkt lässt sich dann von Seiten der Unternehmen ad hoc wenig entgegensetzen und jedwede weitere Diskussion erübrigt sich von selbst: Brüssel steht dann als Sündenbock da – zum Teil auch zurecht, da sie diesem Mechanismus zu wenig entgegensetzt!
  6. Dementsprechend werden in der Vollzugspraxis die Wasserkraftunternehmen mit äußerst zeitaufwendigen und kostenintensiven Genehmigungsverfahren konfrontiert. Damit sind in der Regel hohe Gutachterkosten und Gerichtsprozessrisiken verbunden. Diese Rahmenbedingungen werden den hohen Flexibilitäts- und Effizienzanforderungen einer erfolgreichen Energiewende und eines wirksamen Klimaschutzes nicht gerecht.

Auch in einem effektiven und umfassenden, die hohen Klimaschutz- und Energiewende-Anforderungen beinhaltenden, Fitness-Check sind die unter Punkt 1 bis 6 genannten Aspekte im Sinne einer zielgerechten Umsetzung von „Better Regulation“ für die Wasserkraft adäquat zu berücksichtigen.

In der Anlage 5 „Spezielle Fragen zum EU-WRRL Fitness-Check“ sind noch verschiedene Fragen zum Fitness-Check beigefügt, die sich in Kombination mit einschlägigen Positionen der EU-Kommission zu dem Thema stellen.

Hans Gfaller: Bedeutender Standpfeiler im großen Gebäude der Erneuerbaren Energien

Im Landkreis Traunstein war sie von jeher bedeutend: Die Nutzung der Wasserkraft als Energielieferant. An etwa 150 Orten wird derzeit in unserem Landkreis elektrischer Strom von Wasserturbinen und in geringem Umfang noch von Wasserrädern erzeugt. Sogar das uralte Prinzip der archimedischen Schraube wurde neuerdings in Form der Wasserkraftschnecke wieder belebt. Ohne die Wasserkraft hätte es kein Mehl, kein Bauholz, kein Eisen, keinen Maschinenbau und auch kein Salz gegeben.

Historische Zeugen hierfür sind die bis vor rund hundert Jahren betriebenen Hüttenwerke im Achthal und in Bergen sowie die ehemalige Traunsteiner Saline. Und natürlich die heute noch arbeitenden Mühlen und Sägewerke im Landkreis. Vor allem die Mühlen gelten als die Pioniere der Wasserkraft. Auch die Salinen von Berchtesgaden, Bad Reichenhall als einzige noch verbliebene, Traunstein und Rosenheim nutzten für den  Betrieb der im Gebirge verlegten Soleleitungen die Wasserkraft als Aufschlagwasser für die Wasserräder, welche die Solepumpen angetrieben hatten.

Sogar das in ungeheuren Mengen in den Traunsteiner Sudpfannen verheizte Brennholz wurde über die Traun und deren Zuflüsse herbei getriftet. Hierfür wurden in den engen Gebirgstälern Wassersperren, sogenannte Klausen, errichtet, in denen das Wasser zuerst aufgestaut und dann auf einen Schlag abgelassen wurde. Der talwärts schießende Wasserschwall trieb das zuvor ins Bachbett geworfene Holz im Flussbett der Traun bis zum Rechen vor der Saline, wo es wieder herausgezogen wurde.

Die Bedeutung der Wasserkraft in der heutigen Energiewirtschaft

Mit 4200 Anlagen stehen 50% der Wassertriebwerke in Bayern. Sie erzeugen 60 % des deutschen Wasserkraftstroms, stellen 1/3 der Erneuerbaren Energien in Bayern und liefern saubere Energie, die - und das ist wichtig - dezentral zur Verfügung steht. Das spart unbeliebte und teure Hochspannungs-Übertragungsleitungen ein. Während in Gebirgsnähe mehr Gefälle vorhanden ist, stehen im flacheren Land in den größeren Flüssen höhere Wassermengen zur Verfügung. Die Formel für die Energiegewinnung aus Wasserkraft ist einfach: Fallhöhe x Wassermenge x Wirkungsgrad, und der erreicht bei der technisch ausgereiften Wasserkraft fast 90 %, soviel wie bei keiner anderen Energieart. Allein in den im Rahmen des Hochwasserschutzes Traunstein-Süd zusammengeschlossenen Mühlbächen zwischen Seiboldsdorfer Wehr und Bahnviadukt erbringen 7 Triebwerke auf nur 4,5 km Länge zusammen eine Leistung von 1000 KW! Über das Jahr gerechnet reicht der damit produzierte saubere Strom für rund 1500 Haushalte.

Ein wichtiger Baustein also für die Energiewende, die bis zum Jahr 2050 die Erzeugung von Strom zu 100 % aus Erneuerbaren Energien zum Ziel hat! Wo immer sinnvoll möglich, sollte die Wasserkraft gefördert, ausgebaut oder modernisiert werden. Sie ist die beständigste und dauerhafteste aller Energieformen, weil sie ganzjährig sowie bei Tag und Nacht zur Verfügung steht. Auch in niederschlagsärmeren Zeiten liefert sie beständig und auf umweltfreundliche Weise Strom. Gerade auch Stauzonen mit tiefem Wasser stellen in trockenen Zeiten wertvolle Rückzugsgebiete für die Wasserbewohner dar. Was leider viel zu wenig beachtet wird, ist der „ökologische Fußabdruck“ im Allgemeinen und der Erntefaktor von Energieerzeugungsanlagen im Besonderen, kurz gesagt, wieviel Energie muss zur Errichtung einer Anlage vom ersten Spatenstich bis zur Inbetriebnahme und dann für den weiteren Betrieb aufgewendet werden im Verhältnis zur Energie, die im Lauf der erwarteten Lebensdauer erzeugt werden wird. Und da liegen die stets auf Beständigkeit ausgelegten Wasserkraftanlagen mit einem Erntefaktor von 1:25 bis 1:50 unschlagbar günstig. Nach 1 bis 3 Jahren ist die energetische Amortisation erreicht. Das Antriebsmedium Wasser ist nichts anderes als Sonnenenergie und stößt kein CO2 aus.

Indes werden die Energiewende und die auf Dauer unumgängliche Einhaltung der Klimaziele nur gelingen, wenn alle Arten der Erneuerbaren Energien zusammenspielen, was unter anderem bedeutet, dass jede Energieform dort erzeugt werden soll, wo sie die besten Voraussetzungen findet und umgekehrt wohl jeder für die Energieerzeugung geeignete Ort auf seine Möglichkeiten hin geprüft werden muss.